Claudia Kostka ist einer der Referenten des Vortrags 'Social Media Accelerates Change: Neue Wege der OE'. In diesem Interview spricht Sie darüber, wie Filme und Romane sie inspirieren, wie sie Führungskräfte begleitet, was wir lernen können von Obamas Wahlkampf und Social Media, und sie erklärt uns was wir erwarten können von ihrer Werkstatt.
Claudia Kostka is one of the facilitators of the workshop 'Social Media Accelerates Change: New Ways of OD'. In this interview, she speaks about how movies and novels inspire her, how she coaches managers, what we can learn from Obama’s first electoral campaign and what we can expect from her workshop.

Wer ist Claudia Kostka, wie würden Sie sich beschreiben?
Veränderung ist mein Leben, dabei begleite ich insbesondere Führungskräfte bei der Gestaltung Ihrer Veränderungsprozesse. In den letzten fast 20 Jahren habe ich mir ein umfangreiches Methoden- und Erfahrungswissen angeeignet. Gearbeitet habe ich als Krankenschwester, Maschinenbauingenieurin (Produktionstechnikerin) sowie als Beraterin und Trainerin in der Industrie, im Handel, in der Universität, in großen sowie in kleinen und mittelständischen Unternehmen und in der öffentlichen Verwaltung.
Was inspiriert Sie?
1) Filme und Romane: In Filmen und auch Romanen wird über die Reise des Helden immer eine Transformation durchlaufen in der alle Aspekte von Change enthalten sind. Angst, Zweifel, menschliche Abgründe, aber auch Typenlehre, (Macht)Kämpfe, Verhandlungen, Erfolgserlebnisse, und das Überwinden von Herausforderungen.
2) Meine Familie: Fast 25 Jahre Ehe und zwei Söhne bringen immer wieder neue Veränderungsphasen und Herausforderungen, die es zu bestehen gilt sowie gemeinsames Wachstum.
3) Yoga, die älteste Lehre für Veränderung, die alle dafür erforderliche Weisheit beinhaltet und über Körperdisziplin (Haltung) Transformation im Denken und Handeln bewirkt.
4) Menschen die den Unterschied machen. Diese können historische oder bekannte Leute sein, wie Obama, aber auch Personen, die mir in meinem Leben begegnet sind; meine Lehrer oder auch meine Kunden. Menschen die den Unterschied machen gibt es überall.
Was bedeutet 'Change' für Sie? Wie sehen Sie 'Energetic Change'?
Change hat viele Fassetten. Es kommt auf die Problemstellung oder Herausforderung an. Change Management meint im Grunde Organisationsentwicklung. Organisationen bestehen immer aus Menschen, die strukturiert an die Hand genommen werden wollen/müssen, aber sich eben auch einbringen wollen, um ihr eigenes Aufgabenumfeld besser zu gestalten und den Unterschied zu machen. Jeder möchte Schöpfer seiner Welt sein. Energetic Change ist der sanfte Weg der Veränderung, der die Energie jedes Einzelnen versucht einzubinden. Wir gehen davon aus, dass jedes Problem bereits seine Lösung beinhaltet.
Könnten Sie ein Beispiel geben wie Sie mit Kunden in diesem Bereich arbeiten?
Für mich fängt Veränderung mit der Führungskraft, dem Initiator der Veränderung an. Mit meinen Auftraggebern gehe ich zunächst dem ursächlichen Problem auf den Grund. Ich höre an und versuche, das konkrete innerorganisationäre Problem genau zu beschreiben, und entwickele dann gemeinsam mit den Führungskräften Lösungen. Eigentlich wissen die Leute schon die Lösung ('energetic change'), aber sie kriegen sie nicht so verdichtet, dass sie alle gemeinsam in eine Richtung gehen. Meine Rolle ist zuerst Verdichter, dann Katalysator. Stück für Stück wird in einer Kombination aus Organisations- und Führungskräfteentwicklung eine neue und praktikablere Struktur aufgebaut, und es werden alle anderen Mitarbeiter eingebunden. Es geht immer um Strukturen, und die Schwierigkeit besteht darin, Strukturen zu schaffen, die flexibel und gleichermaßen stabil sind. Es sollen Dauerbrenner sein.
Ich arbeite auch oft mit Filmen, um bestimmte Sachen zu verdeutlichen. Am liebsten mit romantischen Komödien. Ich verwende z.B. den Film 'Mona Lisa Lächeln' für einen Workshop über Machtspiele. Wir besprechen Machtspiele, schauen uns den Film an, und danach spielen die Teilnehmer selbst. Durch das Spiel sehen die Teilnehmer ihre Schwachstelle und Verbesserungspotentiale, und erkennen, dass sie etwas anders machen können. Wir lernen viel im Spiel, vom selbst Spielen aber auch vom Beobachten.
Die Workshopbeschreibung enthält viele ‘neue’ Begriffe, wie ‘Wisdom of the Crowd‘, ’Social media‘ und ‘New Enterprise Organisation‘. Wie bringen Sie diese Konzepte zusammen?
Wisdom of the Crowd bedeutet die Weisheit der Vielen. Bei Siemens hieß es „Wenn der Siemens wüsste, was der Siemens weiß“. Die große Frage aber ist, wie man genau an dieses Wissen zur richtige Zeit am richtigen Platz, im richtigen Umfang und in benutzeradäquaten Form zugreifen kann. Barack Obama ist das in seinem Wahlkampf 2008 brillant gelungen und zwar über die clevere Nutzung von Social Media. Die arabische Revolution wäre ohne Social Media in der Geschwindigkeit ohne sie nicht möglich gewesen. Social Media ist zwar nur das Werkzeug, zeigt uns aber, dass Organisationen neu organisiert werden müssen.
Aus meiner Sicht befinden wir uns in einer Übergangsphase. Ich glaube dass die klassische, pyramidale Ordnung sich in eine Netzwerkstruktur verwandelt wird. Unternehmen beginnen sich neu zu organisieren mit Prozess- und Wissensmanagement, um dabei auch das Individuum mitagieren zu lassen. Ich nenne diese neue Form New Enterprise Organisation. Diese Form der Organisation basiert auf Vertrauen, Eigenverantwortung und die Intelligenz der Vielen. Obamas Wahlkampf basierte darauf Vertrauen. Die Form der Grasrooter Organisation über Social Media basierte darauf und war in ihrer Ausführung bisher einzigartig. Man braucht ein bisschen Kontrolle, aber Kontrolle hat eine andere Form bekommen. Es gilt die alte Regel, das ein klares Ziel mit einer durchdachten Strategie verfolgt wird. Das Wichtigste aber ist, dass von ganz oben das vorlebt wird, was erreicht werden soll. Kommunikation ist nicht nur das gesprochene Wort sondern vor allem das gelebte Vorbild. Dann verändert sich der Einzelne vom Befehlsempfänger zum selbst verantwortlichen Akteur.
Warum ist der Wahlkampf von Obama solch ein gutes Beispiel für Ihren Vortrag?
Es ist ein außergewöhnliches Beispiel. Wir werden das nicht inhaltlich behandeln, sondern viel mehr danach schauen, wie er konzeptionell vorgegangen ist. Er war der erste, der seine Wahlkampforganisation über Social Media geführt hat. Die Webseite war die Wahlkampfzentrale. Allein für die Steuerung der Social Media Aktivitäten waren 300 Leute beschäftigt. Millionen Grasrooter wurden damit gesteuert und viele Millionen Leute zur Wahl sind mobilisiert worden. Die Vorarbeit war brillant, man hat sich wirklich fokussiert. Die Kampagne ist auch kontinuierlich verbessert und verfeinert worden. Sie sind gewachsen durch die Attacken ihrer Konkurrenten. Sie haben es brillant verstanden, wie Social Media die Möglichkeit gibt, Informationen zu multiplizieren. Insbesonder ist ihnen das Zusammenspiel zwischen Social Media und Schulung von Ort gelungen. Es war perfekt organisiert.
Wie sehen Sie die Rolle von Social Media? Wie arbeiten Sie selbst damit?
Ich experimentiere eher damit und versuche einfache Lösungen zu finden für die Nutzung in KMU. Mich fasziniert die Einfachheit daran. Ich stelle mir immer wieder die Frage, ob und wie viel man davon wirklich braucht. Was ist mein Ziel, wie kann ich das am besten erreichen, welche Praxis setze ich ein, und wie setze ich denn die Mittel ein? Ich sehe eine große Rolle von Social Media innerhalb von Organisationen für Wissens- und Prozessmanagement und als Kommunikationstool.
Das Beispiel Obamas zeigt auch, wie wichtig die Botschaft ist. Social Media gibt die Möglichkeit zu multiplizieren, aber die Vorarbeit, Botschaft, Strategie und Taktik wird immer noch im Kopf gemacht.
Man muss auch sagen, dass die Botschaft von Obama relativ leicht zu umreißen war, es ging darum die Wahl zu gewinnen. Wenn die Inhalte komplex sind, wird das schwieriger zu handhaben. Im Unternehmen sind die Ziele komplexer - deshalb muss man genau schauen, wie man Social Media einsetzen kann. Für mich ist Social Media nur das Medium, ein Werkzeug. Unserer Workshoptitel brauch vielleicht auch ein Fragezeichen: Social Media accelerates change?
Sie moderieren den Workshop mit Angelica Laurencon, ein vielseitiges Duo. Wie haben Sie einander gefunden, wie bringt dieses Thema Sie zusammen?
Angelica Laurencon habe ich als Social Media-Spezialistin 2010 kennengelernt. Ich glaube, sie weiß zu ziemlich alles über das Web 2.0. Ich kenne niemanden, der mit so viel Leidenschaft für dieses Thema unterwegs ist. Sie probiert aus und nutzt alles nur mögliche, um ihre Botschaft zu verbreiten. Sie möchte, dass die Menschen die Vorteile daraus für sich erkennen und aktiv nutzen. Ihre Vorträge sind gefüllt mit Wissen und Können, sehr bereichernd, sehr originell und sehr humorvoll. Wir haben uns über den Unternehmerinnenabend kennengelernt und schnell erkannt, dass sich unsere Themen unmittelbar ergänzen.
Mehr Inspiration über Social Media und Change? Sehen Sie den Film Die digitale Revolution: Fluch oder Segen.
© 2012 Created by Holger Nauheimer.
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